Johanna-Wittum-Schule

Sprache als gemeinsamer Ort

Theaterprojekt im VABO

Märchenprojekt VABO

Am Mittwochmorgen wurde die Cafeteria der Alfons-Kern-Schule für einen Vormittag zur Theaterbühne. Im Rahmen eines gemeinsamen Märchenprojekts der Alfons-Kern-Schule und der Johanna-Wittum-Schule, zeigten drei Schulklassen, darunter zwei VABR – Klassen und eine VABO – Klasse, ihre Interpretationen der Märchen „Der Fischer und der Dschinn“, „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“.

Das als Schattenspiel umgesetzte Märchen „Der Fischer und der Dschinn“, ein arabisches Märchen aus Tausendundeiner Nacht, erzählte die Geschichte eines armen aber beherzten Fischers, dem es durch eine kluge List gelingt, den versehentlich aus einer an Land gezogenen Flasche befreiten Dschinn zu besänftigen und diesem zur Freiheit zu verhelfen. In „Die Bremer Stadtmusikanten“ der Brüder Grimm, spielten die Schüler eine Geschichte des Zusammenhalts zwischen einst verstoßenen Tieren, die nach anfänglichem Bestreben Stadtmusikanten im Norden zu werden, durch Mut und Musik ganz unverhofft eine ganz neue Bleibe finden. Das zweite Grimm’sche Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, erzählte in Schatten die Geschichte eines Bruders, der nach mehreren schaurigen Prüfungen im Königsschloss nicht nur die schöne Königstochter heiraten darf; ihm wird letztlich auch sein Wunsch erfüllt – sich endlich zu fürchten.

Das Besondere an diesem Theaterprojekt: Nicht nur arabische und deutsche Märchen trafen aufeinander; auch die Darsteller und Puppenspieler des Theatervormittags kommen aus verschiedenen Ländern, haben verschiedene Muttersprachen und lernten und lernen alle die deutsche Sprache in Vorbereitungsklassen. Hierfür hatten die Schüler unermüdlich geprobt, Aussprache geübt, Einsätze einstudiert und Bewegungen erdacht. Auch für die Lehrerinnen und Lehrer der beiden Schulen war das eine große Herausforderung, die auch aufgrund der großen Portion Durchhaltevermögen, Freude, Kreativität und Ehrgeiz der Schüler und Schülerinnen erfolgreich gemeistert wurde.

Märchen handeln von kleinen und großen Wundern, vom Sieg des Guten über das Böse, von kühnen Träumen, beherzten Plänen und tiefen Schluchten, die überwunden werden. Leider ist es im wirklichen Leben oft schwer, stets mutig zu sein, Räuber in die Flucht zu schlagen oder Monster in all ihrer Form zu besiegen. An vielen Tagen hätten wir keine Probleme mehr, wenn wir zaubern könnten, oder Wünsche frei hätten. In dieser Welt, die nun aber leider kein Märchen ist, ist es darum umso wichtiger, dass wir Menschen einander haben, uns unterstützen und zusammenhalten.

Wie die Schüler unseres Märchenvormittags eindrücklich gezeigt haben, kann eine Sprache, die zuvor noch fremd und unvertraut war, zu einem gemeinsamen Ort werden, der uns verbindet und uns stark macht. Und inmitten der so schweren deutschen Sprache gelingt es den Jugendlichen, die sonst so oft Zuhörer, Lernende und Fremde sind, selbst zu erzählen, zu vermitteln und eine neue Welt vertraut zu machen.

Die am Projekt beteiligten Lehrerinnen und Lehrer Stefanie Sommer, Corana Steier, Maria Cortes, Freya Reich, Florin Wespel, Dominik Herdes und Meik Zoller danken den darstellenden Schülerinnen und Schülern für einen rundum gelungenen, bunten, märchenhaften und wiederholungswürdigen Vormittag.

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Text, Bilder: S. Sommer